Ratgeber · Gesicht & Haut

Was ist Aquafacial? Hydra-Dermabrasion erklärt

Aquafacial verbindet Reinigung, Peeling und Pflege in einer apparativen Gesichtsbehandlung. Hier lesen Sie, wie die Hydra-Dermabrasion technisch funktioniert, was die bisher wenigen Studien zeigen, was ins Aufklärungsgespräch gehört und welche Regeln für Geräte mit Zusatzmodulen gelten.

Stand 01.10.2026 · Fachbeitrag mit Quellen

Was ist Aquafacial?

Aquafacial, auch Aqua Facial geschrieben, bezeichnet eine apparative Gesichtsbehandlung mit Hydra-Dermabrasion. Die erste Studie zu dem Verfahren beschrieb es 2008 als Verbindung aus einer kristallfreien Microdermabrasion und dem Aufbringen eines Serums mit Unterdruck. Anders als bei der klassischen Microdermabrasion trägt kein Strahl aus Kristallen die Hornschicht ab, sondern eine Lösung, die ein Aufsatz auf die Haut bringt und zusammen mit gelösten Hautschüppchen wieder absaugt.

Viele Geräte verbinden die Hydra-Dermabrasion mit weiteren Modulen, etwa Radiofrequenz, Ultraschall, Mikrostrom, LED-Licht oder Sauerstoff-Spray. Für die Rechtslage ist das entscheidend: Die Hydra-Dermabrasion selbst ist eindeutig einzuordnen, die Zusatzmodule bringen eigene Pflichten mit.

Wie läuft eine Aquafacial-Behandlung ab?

Eine Studie beschreibt den Ablauf in 3 Schritten, die sich bei den meisten Geräten wiederfinden:

  • Reinigen und Peelen: Eine Lösung löst Talg, Schmutz und abgestorbene Hautzellen. In der Studie enthielt sie 7,5 % Glykolsäure und 2 % Salicylsäure; die Lösungen der Hersteller unterscheiden sich.
  • Absaugen: Der Unterdruck im Aufsatz saugt die gelösten Bestandteile ab. Dass Sog ein chemisches Peeling verstärken kann, zeigt ein randomisierter Halbseitenvergleich von 2015: Eine Fruchtsäurelösung mit Unterdruck verringerte Mitesser nach einer Woche stärker als dieselbe Lösung allein.
  • Wirkstoffe aufbringen: Zum Schluss bringt der Applikator ein Serum auf; welche Wirkstoffe es enthält, hängt vom Hersteller und vom Behandlungskonzept ab.

Ob danach ein weiteres Modul folgt, hängt vom Gerät und vom Behandlungsplan ab. Wie Applikator und Aufsätze nach jeder Behandlung aufbereitet werden, legt die Gebrauchsanweisung fest; festgehalten wird es im Hygieneplan, wie im Beitrag Hygieneplan im Kosmetikstudio beschrieben.

Was zeigen Studien zur Wirkung?

Die Hydra-Dermabrasion ist wenig untersucht. In der medizinischen Datenbank PubMed finden sich 5 Studien mit zusammen 100 Personen (Stand 01.10.2026); die größte umfasst 29. Keine vergleicht das Verfahren mit der Microdermabrasion oder einer Scheinbehandlung, keine beobachtet länger als 12 Wochen. Die 4 Studien ohne Krankheitsbezug im Überblick:

Studien zur Hydra-Dermabrasion
StudieTeilnehmendeErgebnis
Randomisierte Studie, 200820 Frauen, 6 Behandlungen im Abstand von 7 bis 10 TagenOber- und obere Lederhaut dicker, feine Linien, Poren und Hyperpigmentierung weniger; keine Komplikationen. Mit dem Serum von Hand keine Veränderung.
Halbseitenvergleich, 201523 Frauen, eine BehandlungFruchtsäure mit Unterdruck verringerte Mitesser nach 1 Woche stärker als die Fruchtsäure allein.
Offene Studie, 202429 Frauen, 6 Behandlungen alle 2 Wochen, dazu ein Serum zu HauseMerkmale lichtgeschädigter Haut gebessert; Wirkung von Gerät und Serum nicht zu trennen; Produkte eines Herstellers.
Pilotstudie, 20248 Personen, Bildgebung der HautHornschicht direkt danach dünner, nach 2 Wochen etwas dicker; Kollagenfasern nach 2 Wochen unverändert; direkt danach Entzündungszellen.

Eine fünfte Studie mit Herstellerbezug untersuchte die Behandlung bei Akne; Akne ist eine Hauterkrankung und gehört in ärztliche Hände, deshalb ziehen wir diese Studie hier nicht heran. Für das Gespräch mit Kundinnen und Kunden heißt die Studienlage: Eine pflegende und glättende Wirkung ist in kleinen Studien beschrieben, länger anhaltende Effekte sind nicht belegt. Versprechen wie „Falten verschwinden“ oder „sofort jünger“ lassen sich damit nicht stützen.

Wie oft wird behandelt?

In den Studien gab es 6 Sitzungen im Abstand von 7 bis 14 Tagen. Für die Zeit danach, etwa eine monatliche Behandlung zur Erhaltung, gibt es keine Studie. Ein Rhythmus, den ein Studio empfiehlt, beruht deshalb auf Erfahrung und sollte so benannt werden, nicht als belegte Notwendigkeit.

Was gehört ins Aufklärungsgespräch?

Eine geprüfte Liste von Gegenanzeigen für die Hydra-Dermabrasion gibt es in der Literatur nicht. Für das Gespräch mit Kundinnen und Kunden lassen sich aus den Quellen trotzdem einige Punkte ableiten:

  • Säuren in der Lösung: Die Peeling-Lösungen enthalten Fruchtsäuren; Hautreizungen und Unverträglichkeiten gehören deshalb in die Anamnese.
  • Reaktion der Haut: In einer Pilotstudie zeigte die Bildgebung direkt nach der Behandlung Entzündungszellen in der Haut, bei kräftigerer Behandlung mehr.
  • Ausschlusskriterien der Studien: Eine Studie schloss unter anderem Personen aus, die in den 6 Monaten zuvor Isotretinoin eingenommen hatten oder häufig Herpes-Ausbrüche haben. Das sind Kriterien einer Studie, keine Gegenanzeigen; nach unserer Einschätzung gehören beide Fragen trotzdem in die Anamnese.
  • Zusatzmodule: Für Radiofrequenz nennt die Fachkunderichtlinie zur NiSV Gegenanzeigen wie aktive Implantate und Metallimplantate, geschädigte Haut, Schwangerschaft und Stillzeit; für Ultraschall ungeeignete Körperstellen. Diese Listen gelten nach unserer Einschätzung für die entsprechenden Applikatoren eines Aquafacial-Geräts.

Wer Aquafacial-Behandlungen mit Modulen anbietet, die unter die NiSV fallen, muss vor der Anwendung beraten und aufklären, das in einem Beratungsprotokoll festhalten und das Einverständnis einholen (§ 3 Abs. 1 Nr. 6 und Abs. 2 NiSV).

Fällt Aquafacial unter die NiSV?

Die NiSV erfasst Geräte, die nichtionisierende Strahlung am Menschen anwenden: Laser, intensive Lichtquellen, Hochfrequenz, Ultraschall sowie Strom und Magnetfelder oberhalb bestimmter Schwellen. Hydra-Dermabrasion mit Flüssigkeit und Unterdruck gehört nach unserer Einschätzung nicht dazu. Die Handwerkskammer zu Leipzig nennt Microneedling und Aquabrasion als Beispiele apparativer Kosmetik, die nicht von der NiSV betroffen sind.

Anders ist es bei Kombigeräten. Hier zählt jeder Applikator, und nach dem Bundesumweltministerium benötigt die anwendende Person die Fachkunde für alle Anwendungen, die mit dem Gerät möglich sind, es sei denn, die Zusatzfunktion lässt sich dauerhaft nicht auslösen:

Module eines Aquafacial-Geräts und die NiSV
ModulEinordnung nach § 2 NiSVFachkunde
Hydra-Dermabrasion, Unterdruck, Sauerstoff-Spraykeine Anlage nach der NiSV–
Diamant-Microdermabrasionkeine Anlage nach der NiSV–
RadiofrequenzHochfrequenzgerät, wenn es die Grenzwerte der Anlage 1 überschreiten kann (§ 2 Abs. 1 Nr. 4)Fachkunde Hochfrequenz, 116 LE
UltraschallUltraschallgerät oberhalb der Schwellen von § 2 Abs. 1 Nr. 1Fachkunde Ultraschall, 116 LE
MikrostromGleich- oder Niederfrequenzgerät oberhalb der Schwellen (§ 2 Abs. 1 Nr. 5 und 6)an Gesicht und Hals 101 LE (§ 7 Abs. 3)
LEDvoraussichtlich keine Anlage, weil die NiSV nur Laser und intensive Lichtquellen erfasst–

Ob ein Applikator die Schwellen überschreitet, steht in der Gebrauchsanweisung oder der technischen Dokumentation; maßgeblich sind die technischen Eigenschaften, nicht der Gerätename. Ärztinnen und Ärzten vorbehalten sind Radiofrequenzanwendungen, die die Oberhaut verletzen, Fett reduzieren oder Gefäß- und Pigmentveränderungen behandeln (§ 6 Abs. 2 NiSV), und Ultraschallanwendungen, die die Oberhaut verletzen, Gewebe gezielt thermisch koagulieren oder Fett reduzieren (§ 9 Abs. 2 NiSV). Wann ein Aquafacial-Gerät als NiSV-frei gilt, erklärt unser Leitfaden NiSV kompakt.

Ist ein Aquafacial-Gerät ein Medizinprodukt?

Ein Medizinprodukt hat einen medizinischen Zweck, etwa die Behandlung einer Krankheit (Art. 2 Nr. 1 MDR). Für kosmetische Geräte ohne medizinischen Zweck gilt die MDR nur, wenn sie in einer der 6 Gruppen des Anhangs XVI stehen. Die Hydra-Dermabrasion nennt der Anhang nicht.

Bei den Zusatzmodulen ist das offener. Nach der Leitlinie MDCG 2023-5 der EU-Koordinierungsgruppe können Module mit Radiofrequenz und LED-Licht zur Hautverjüngung unter Anhang XVI Nr. 5 fallen, wenn ihre Strahlung die Wirkung erzeugt, die ihr Zweck verlangt; die Leitlinie ist rechtlich nicht verbindlich. Maßgeblich ist die Zweckbestimmung des Herstellers für jedes Modul. Was das für Kauf und Betrieb bedeutet, steht in MDR kompakt und unter Betreiberpflichten.

Häufige Fragen

  1. 01 Was ist Aquafacial?

    Aquafacial ist eine apparative Gesichtsbehandlung mit Hydra-Dermabrasion. Ein Applikator reinigt und peelt die Haut mit einer Lösung, saugt gelöste Hautschüppchen, Talg und Schmutz per Unterdruck ab und bringt anschließend ein Serum auf. Je nach Gerät kommen weitere Module hinzu.

  2. 02 Was ist Hydra-Dermabrasion?

    Hydra-Dermabrasion ist ein Verfahren, das eine kristallfreie Microdermabrasion mit dem Aufbringen eines Serums per Unterdruck verbindet. So hat es die erste Studie zu dem Verfahren 2008 beschrieben. Anders als bei der klassischen Microdermabrasion trägt kein Kristallstrahl die Hornschicht ab, sondern Flüssigkeit und Sog.

  3. 03 Was bringt ein Aquafacial?

    Die Wirkung eines Aquafacials ist bisher nur in kleinen Studien untersucht. In einer randomisierten Studie von 2008 mit 20 Frauen nahmen feine Linien, Porengröße und Hyperpigmentierung nach 6 Behandlungen ab, während derselbe Wirkstoff von Hand aufgetragen nichts veränderte. Belege für länger anhaltende Wirkungen fehlen.

  4. 04 Welche Nachteile hat ein Aquafacial?

    Die bisherigen Studien zum Aquafacial berichten keine Komplikationen und eine gute Verträglichkeit, umfassen aber nur wenige Personen; seltene Nebenwirkungen können sie nicht erfassen. Direkt nach der Behandlung zeigt die Haut messbare Entzündungszeichen. Die Peeling-Lösungen enthalten Säuren, was in die Aufklärung gehört.

  5. 05 Wie oft sollte ein Aquafacial durchgeführt werden?

    In den Studien zum Aquafacial wurde 6-mal im Abstand von 7 bis 14 Tagen behandelt. Für Abstände danach, etwa eine monatliche Erhaltungsbehandlung, gibt es keine Studie. Empfehlungen zum Rhythmus beruhen deshalb auf Erfahrung, nicht auf Belegen.

  6. 06 Braucht man für ein Aquafacial-Gerät eine NiSV-Schulung?

    Für die Hydra-Dermabrasion selbst ist nach unserer Einschätzung keine NiSV-Fachkunde erforderlich. Hat das Gerät aber Applikatoren mit Radiofrequenz, Ultraschall oder Strom, die unter die NiSV fallen, benötigt jede anwendende Person die Fachkunde für alle Anwendungen, die das Gerät ermöglicht.

  7. 07 Ist ein Aquafacial-Gerät ein Medizinprodukt?

    Die Hydra-Dermabrasion gehört nicht zu den Produktgruppen des Anhangs XVI der MDR. Maßgeblich ist aber die Zweckbestimmung des Herstellers für alle Module des Geräts: Module mit Radiofrequenz oder LED zur Hautverjüngung können nach einer Leitlinie der EU-Koordinierungsgruppe unter Anhang XVI fallen.

Quellen

  1. Freedman BM: Hydradermabrasion: an innovative modality for nonablative facial rejuvenation. J Cosmet Dermatol 2008 – randomisierte Studie, 20 Frauen
  2. Kim SJ et al.: The effect of physically applied alpha hydroxyl acids on the skin pore and comedone. Int J Cosmet Sci 2015 – randomisierter Halbseitenvergleich, 23 Frauen
  3. Razi S et al.: Hydradermabrasion through the lens of Line-Field Confocal Optical Coherence Tomography. Skin Res Technol 2024 – Pilotstudie, 8 Personen
  4. Huang P et al.: Efficacy and tolerability of a novel cosmetic growth factor serum used with biweekly diamond tip hydradermabrasion. J Cosmet Dermatol 2024 – offene Studie, 29 Frauen, Produkte eines Herstellers
  5. Waldman A et al.: ASDS consensus recommendations on procedures during and after isotretinoin use. Dermatol Surg 2017
  6. Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen nichtionisierender Strahlung bei der Anwendung am Menschen (NiSV) – §§ 2, 3, 6, 7, 9 und Anlage 3
  7. Bundesumweltministerium: FAQ Strahlenschutz bei kosmetischen und nichtmedizinischen Anwendungen – Frage B.01, Antworten Stand 11.03.2024
  8. Fachkunderichtlinie NiSV vom 27.02.2024 (BAnz AT 07.03.2024 B5), Lesefassung des Bundesumweltministeriums – S. 34–36, 42–43 und 50
  9. Handwerkskammer zu Leipzig: NiSV – Strahlenschutzverordnung für kosmetische Anwendungen – aktualisiert am 08.05.2026
  10. Verordnung (EU) 2017/745 über Medizinprodukte (MDR) – Art. 2 Nr. 1 und Anhang XVI
  11. MDCG 2023-5: Guidance on qualification and classification of Annex XVI products – Dezember 2023, rechtlich nicht verbindlich; Abschnitte 3.5, 3.6 und 4.6

Stand 01.10.2026. Dieser Beitrag informiert über Technik, Studienlage und Rechtslage. Er ersetzt keine ärztliche Beratung und keine Rechtsberatung.

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