Ratgeber · Gesicht & Haut
Radiofrequenz, HIFU, Ultraschall: Wie sie wirken und was nach der NiSV gilt
Radiofrequenz und Ultraschall werden in der Kosmetik zur Hautstraffung, zur Körperformung und zum Einschleusen von Wirkstoffen eingesetzt. Dieser Beitrag erklärt, wie die Verfahren wirken, was zur Wirkung belegt ist und was die NiSV für jede Technik verlangt.
Stand 01.10.2026 · Fachbeitrag mit Quellen
Was ist Radiofrequenz?
Radiofrequenz, in der NiSV Hochfrequenz genannt, erwärmt das Gewebe mit hochfrequentem Wechselstrom, nach einer systematischen Übersicht mit 0,3 bis 10 MHz. Wie stark und wie tief sich das Gewebe erwärmt, hängt von der Energie und vom elektrischen Widerstand des Gewebes ab; Ziel ist ein Umbau und eine Neubildung von Kollagen. Die Fachkunderichtlinie unterscheidet monopolare, unipolare, bipolare, tripolare und multipolare Geräte.
Auch die Begründung der NiSV beschreibt die Erwärmung durch Energieabsorption als Wirkprinzip und nennt die Risiken: Bei Temperaturen bis etwa 43 bis 45 °C können bei der Faltenbehandlung Schmerzen, Rötungen und Verbrennungen zweiten Grades auftreten. Erfasst sind Geräte zwischen 100 kHz und 300 GHz, die die Grenzwerte der Verordnung überschreiten können. Werden die Nadeln eines Geräts zur Elektrode, spricht man von Radiofrequenz-Microneedling.
Was ist HIFU?
HIFU steht für hochintensiven fokussierten Ultraschall. Gebündelte Schallwellen erzeugen in einer festgelegten Tiefe eng begrenzte Hitzeschäden; in einer Laborstudie reichten sie je nach Leistung, Dauer und Fokustiefe bis 4 mm in die Lederhaut. Eine Übersicht zu mikrofokussiertem Ultraschall beschreibt eine kurze Erhitzung auf über 60 °C mit Gerinnungspunkten von weniger als 1 mm³ in bis zu 5 mm Tiefe, während Oberhaut und obere Lederhaut unberührt bleiben.
Genau diese gezielte Gerinnung, die Koagulation, ist rechtlich entscheidend: § 9 Abs. 2 NiSV behält Ultraschallanwendungen, „die der gezielten thermischen Gewebekoagulation oder der Fettgewebereduktion dienen“, approbierten Ärztinnen und Ärzten vor.
Wie wirkt Ultraschall ohne Fokus?
Nach der Begründung der NiSV wird Ultraschall in der Kosmetik zur Mikromassage, die die Durchblutung steigert, zum Einbringen von Wirkstoffen durch die Haut, zur Körperformung und zur Hautverjüngung eingesetzt; er wirkt thermisch und mechanisch. Beim Einschleusen von Wirkstoffen, der Sonophorese, arbeiten Geräte entweder hochfrequent ab 0,7 MHz oder niederfrequent zwischen 20 und 100 kHz, mit unterschiedlichen Mechanismen. Klinische Studien zu Ultraschall-Peeling oder Sonophorese in der Kosmetik haben wir nur wenige und kleine gefunden, eine systematische Übersicht keine (Stand 01.10.2026).
Ultraschall ist physikalisch eine mechanische Welle und keine Strahlung; die NiSV erfasst ihn trotzdem. Auch Kombigeräte für Gesichtsbehandlungen können Applikatoren mit Ultraschall oder Radiofrequenz haben; für diese gilt dann die NiSV, für alle Anwendungen des Geräts, wie im Beitrag Was ist Aquafacial? beschrieben.
Was ist zur Hautstraffung belegt?
- Radiofrequenz: Eine systematische Übersicht von 2015 bewertet Studienqualität und Evidenzgrad als niedrig und die Parameter als uneinheitlich. Eine Metaanalyse von 2021 aus 25 randomisierten Studien hält die Ergebnisse für vielversprechend, findet aber keinen Evidenzgrad, der Radiofrequenz den Vorzug vor anderen Verfahren gibt. Nach einer Übersicht von 2022 straffen die Geräte messbar, mit meist geringen Komplikationen; schwere Komplikationen traten häufiger bei monopolaren als bei bipolaren Geräten auf.
- HIFU: Eine Metaanalyse von 2020 aus 17 Studien mit 477 Personen beschreibt die Behandlung an Gesicht und Hals als kurzfristig sicher und mäßig wirksam; Langzeitdaten fehlen meist. In einer Übersicht von 2023 aus 16 Studien mit Einzelbehandlungen sahen die Prüfärzte bei 92 % eine Besserung, die Patientinnen selbst meist nur eine leichte.
- Im Vergleich: Am Hals fand eine Metaanalyse von 2025 keinen signifikanten Unterschied zwischen HIFU und Radiofrequenz, allerdings auf Grundlage von nur 2 randomisierten Studien; die Autoren bezeichnen die Wirkung als wissenschaftlich umstritten.
Für das Gespräch mit Kundinnen und Kunden heißt das: Eine mäßige Straffung ist belegt, ein Lifting-Ergebnis wie nach einer Operation nicht. Welche Verfahren es sonst gibt, zeigt der Überblick Apparative Kosmetik; was Radiofrequenz und andere Methoden bei Cellulite leisten, die Beiträge Cellulite (Orangenhaut) und Cellulite-Behandlung.
Wie oft wird behandelt?
Für Radiofrequenz gibt es keinen Standard: In den Studien reichten die Behandlungszeiträume von 1 bis 24 Wochen, am häufigsten wurde einmal behandelt. Studien zu HIFU werten meist eine einzelne Behandlung aus und beobachten bis zu 1 Jahr; belegte Abstände für Wiederholungen gibt es nicht. In der Übersicht von 2023 stieg der Anteil der Patientinnen, die eine Besserung sahen, von 42 % nach 90 Tagen auf 53 % nach 360 Tagen. Die NiSV verlangt, die behandelte Person über den individuellen Behandlungsplan aufzuklären, einschließlich des Geräts und der Einstellungen.
Welche Gegenanzeigen gelten?
- Radiofrequenz: Die Fachkunderichtlinie nennt aktive Implantate und Metallimplantate, geschädigte Haut, ein herabgesetztes Schmerz- und Wärmeempfinden, die Einnahme von Medikamenten, Drogen oder Alkohol sowie Schwangerschaft und Stillzeit; ungeeignet sind Stellen über größeren Blutgefäßen, Narben, Hautanomalien, Brustwarzen und die Augen.
- Ultraschall: Ungeeignet sind nach der Richtlinie unter anderem Stellen über Implantaten, Leber, Niere, Milz und Drüsen, Hoden und Eierstöcken, die Augäpfel, das Gehirn und Wachstumsfugen der Knochen. Sie weist ausdrücklich darauf hin, dass Schäden im Körper entstehen können, ohne dass die Haut sie zeigt. Ein Fötus darf nicht beschallt werden (§ 10 NiSV).
- HIFU: Starke Hauterschlaffung und ein Body-Mass-Index über 30 gelten nach der Übersicht von 2023 als relative Gegenanzeigen, weil die Wirkung abnimmt. Nebenwirkungen waren in Studien selten (2 %), etwa Taubheit oder Verbrennungen am Unterkiefer. Eine Auswertung von 106 Meldungen an die US-Behörde FDA nennt vor allem Fettgewebsschwund, Nervenschäden und Narben.
Wie ein Anamnesebogen diese Punkte abfragen kann, zeigt der Beitrag Anamnese, Aufklärung, Einwilligung.
Was verlangt die NiSV für jede Technik?
Ob ein Gerät unter die NiSV fällt, entscheiden seine technischen Daten, nicht sein Name. Die Fachkunde umfasst für Hochfrequenz wie für Ultraschall jeweils 116 Lerneinheiten zu je 45 Minuten. Der Arztvorbehalt knüpft an die Anwendung an:
| Verfahren | Wirkprinzip | NiSV | Arztvorbehalt |
|---|---|---|---|
| Radiofrequenz zur Hautstraffung | Erwärmung durch hochfrequenten Wechselstrom | Anlage nach § 2 Abs. 1 Nr. 4, Fachkunde 116 LE | bei Verletzung der Oberhaut, thermischer Fettreduktion, Gefäß- und Pigmentbehandlung |
| RF-Microneedling | Nadeln geben Radiofrequenz in der Haut ab | Anlage nach § 2 Abs. 1 Nr. 4 | nicht ausdrücklich geregelt |
| HIFU | gebündelter Ultraschall, Koagulation in der Tiefe | Anlage nach § 2 Abs. 1 Nr. 1 | ja, soweit die Anwendung der gezielten Koagulation dient |
| Ultraschall zur Mikromassage, Sonophorese oder als Peeling | mechanisch und thermisch, nicht gebündelt | Anlage nach § 2 Abs. 1 Nr. 1, Fachkunde 116 LE | nur bei Verletzung der Oberhaut, Koagulation oder Fettreduktion |
| Ultraschall zur Fettreduktion | mechanisch und thermisch | Anlage nach § 2 Abs. 1 Nr. 1 | ja |
Die Fettgewebereduktion mit Hochfrequenz oder Ultraschall ist nach dem Bundesumweltministerium seit dem 31.12.2020 Ärztinnen und Ärzten vorbehalten. Alle Fristen, Fachkunden und Pflichten im Überblick stehen in NiSV kompakt.

Häufige Fragen
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01 Was ist HIFU?
HIFU steht für hochintensiven fokussierten Ultraschall. Gebündelte Schallwellen erzeugen in einer festgelegten Tiefe kleine Hitzepunkte, an denen das Gewebe gerinnt; die Hautoberfläche bleibt dabei unberührt. In der Kosmetik wird HIFU vor allem zur Hautstraffung eingesetzt.
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02 Was ist Radiofrequenz in der Kosmetik?
Radiofrequenz bezeichnet in der Kosmetik hochfrequenten Wechselstrom, nach einer systematischen Übersicht mit 0,3 bis 10 MHz, der das Gewebe erwärmt, um einen Umbau des Kollagens anzuregen. Die NiSV erfasst Hochfrequenzgeräte zwischen 100 kHz und 300 GHz, wenn sie die Grenzwerte überschreiten können.
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03 Radiofrequenz oder HIFU: Was ist besser?
Ob Radiofrequenz oder HIFU besser ist, lässt sich nicht allgemein sagen. Eine Metaanalyse von 2025 fand am Hals keinen signifikanten Unterschied zwischen beiden, gestützt auf nur 2 randomisierte Studien. Für beide Verfahren sind die Effekte mäßig und Langzeitdaten selten.
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04 Was bringt Radiofrequenz im Gesicht?
Für Radiofrequenz im Gesicht berichten systematische Übersichten eine messbare Straffung bei meist geringen Komplikationen, bewerten die Studienqualität aber als niedrig und die Parameter als uneinheitlich. Eine Metaanalyse von 2021 fand keinen Evidenzgrad, der Radiofrequenz den Vorzug vor anderen Verfahren gibt.
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05 Wie oft darf Radiofrequenz im Gesicht angewendet werden?
Für die Häufigkeit von Radiofrequenz-Behandlungen im Gesicht gibt es keinen Standard; in den Studien reichten die Behandlungszeiträume von 1 bis 24 Wochen, am häufigsten wurde einmal behandelt. Die NiSV verlangt, die behandelte Person über den individuellen Behandlungsplan aufzuklären.
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06 Dürfen Kosmetikerinnen HIFU anwenden?
Nein, soweit HIFU der gezielten thermischen Gewebekoagulation dient: Diese Ultraschallanwendungen sind nach § 9 Abs. 2 NiSV approbierten Ärztinnen und Ärzten vorbehalten, ebenso Ultraschall zur Fettreduktion. Für nicht fokussierten Ultraschall, etwa zur Mikromassage, genügt die Fachkunde Ultraschall.
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07 Ist HIFU gefährlich?
Nebenwirkungen von HIFU waren in Studien selten, etwa Taubheit oder Verbrennungen. Eine Auswertung von 106 Meldungen an die US-Behörde FDA nennt als häufigste Schäden Fettgewebsschwund, Nervenschäden mit Taubheit und Narben. Die Fachkunderichtlinie weist darauf hin, dass Ultraschall im Körper schaden kann, ohne dass die Haut es zeigt.
Quellen
- Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen nichtionisierender Strahlung bei der Anwendung am Menschen (NiSV) – § 2 Abs. 1 Nr. 1 und 4, § 3 Abs. 1 Nr. 6, §§ 6, 9, 10
- Bundesrat, Drucksache 423/18: Verordnung zur weiteren Modernisierung des Strahlenschutzrechts, Begründung zur NiSV – S. 528 bis 531
- Bundesumweltministerium: Anforderungen an den Erwerb der Fachkunde für Anwendungen nichtionisierender Strahlungsquellen am Menschen (Fachkunderichtlinie) – Richtlinie vom 27.02.2024, S. 34, 35 und 50
- Bundesumweltministerium: FAQ Strahlenschutz bei kosmetischen und nichtmedizinischen Anwendungen – A.01, C.02, D.01; Antworten Stand 11.03.2024
- Araújo AR et al.: Radiofrequency for the treatment of skin laxity: mith or truth. An Bras Dermatol 2015 – Schreibweise des Titels wie im Original
- Oliveira Paggiaro A et al.: Evaluation of the evidence level for the use of radiofrequency in aesthetic treatments: A systematic review and meta-analysis. J Cosmet Dermatol 2021
- Rohrich RJ et al.: Minimally Invasive Approach to Skin Tightening of the Face and Body: Systematic Review of Monopolar and Bipolar Radiofrequency Devices. Plast Reconstr Surg 2022
- Laubach HJ et al.: Intense focused ultrasound: evaluation of a new treatment modality for precise microcoagulation within the skin. Dermatol Surg 2008 – Laborstudie
- Fabi SG: Noninvasive skin tightening: focus on new ultrasound techniques. Clin Cosmet Investig Dermatol 2015
- Polat BE et al.: Ultrasound-mediated transdermal drug delivery: mechanisms, scope, and emerging trends. J Control Release 2011
- Ayatollahi A et al.: Systematic review and meta-analysis of safety and efficacy of high-intensity focused ultrasound (HIFU) for face and neck rejuvenation. Lasers Med Sci 2020
- Contini M et al.: A Systematic Review of the Efficacy of Microfocused Ultrasound for Facial Skin Tightening. Int J Environ Res Public Health 2023
- Modena DAO et al.: Systematic review and meta-analysis – microfocused ultrasound treatment for sagging skin. Lasers Med Sci 2025
- Humphrey VS et al.: Microfocused Ultrasound With Visualization: A Systematic Review of Adverse Events and Risk of Subsequent Facelift Compromise. Dermatol Surg 2025
Stand 01.10.2026. Dieser Beitrag informiert über Technik, Studienlage und Rechtslage. Er ersetzt keine ärztliche Beratung und keine Rechtsberatung.








